Jobcoaching

Jobcoaching begleitet Personen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf, die direkt an ihrer Arbeits- oder Ausbildungsplatz eine Hilfestellung benötigen. Dabei wird an der Erweiterung der fachlichen, kommunikativen und sozialen Kompetenzen gemeinsam mit dem Menschen mit Beeinträchtigung gearbeitet.

 

Warum Jobcoaching?

Jobcoaching bietet direkte, individuelle Unterstützung am Arbeitsplatz. Das Ziel ist die optimale und nachhaltige Integration von Menschen mit Behinderung bzw. Beeinträchtigung im Berufsleben. Es werden die fachlichen, kommunikativen und sozialen Jobcoaching - Wie lade ich eine BatterieKompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefördert, damit sie die gestellten Anforderungen dauerhaft selbstständig erfüllen können.

Die Aufgaben des Job Coaching während eines Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses oder während eines Praktikums umfassen insbesondere:

  • direkte Begleitung am Arbeitsplatz
  • Training von Arbeitsschritten
  • Unterstützung bei der Arbeitsorganisation
  • direkte Begleitung und Entwicklung von Qualifizierungsschritten im Betrieb
  • funktionierende berufliche Integration
  • Konfliktmanagement

 

Wer wird angesprochen?

Personen, die aufgrund von Beeinträchtigungen (körperliche, lern-, psychische oder Sinnesbeeinträchtigung) einen Grad der Behinderung von mindestens   30 % oder einen sonderpädagogischen Förderbedarf aufweisen und die Pflichtschule beendet haben.

 

Wie läuft das ab?

Vor Beginn des Jobcoaching werden Abläufe und Anforderungen am konkreten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in Absprache mit der Dienstgeberin bzw. dem Dienstgeber und der Arbeitnehmerin bzw. dem Arbeitnehmer geklärt. Die Dauer des Jobcoaching wird vereinbart und kann sich bis zu 6 Monate erstrecken.

In der ersten Phase des Jobcoachings beobachtet und analysiert der Jobcoach die Arbeitssituation und lernt die Arbeitnehmerin bzw. den Arbeitnehmer kennen. Weiters erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Arbeitsumfeld, der Aufgabenfelder der Klientin oder des Klienten, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb und des Umfeldes bzw. relevanter Personen im privaten Bereich. Als Ergebnis wird mit der Klientin bzw. dem Klienten und dem Vorgesetzten eine Zielvereinbarung erarbeitet.

In der Phase 2 werden Problemlösungsstrategien formuliert und  umgesetzt, um die vereinbarten Ziele zu erreichen. Im Sinne der Supported employment  (Unterstützte Beschäftigung) ist es dabei wichtig, dass die Arbeitnehmerin bzw. der Arbeitnehmer dazu befähigt wird, die eigenen Ressourcen und Fähigkeiten zur Lösung der gestellten Aufgaben einzusetzen und die eigene Arbeit zu reflektieren um auftretende Fehler selbständig zu korrigieren. Dies erfolgt durch Schulung, Übung, Strukturierungsmaterialien, Rollenspiel und andere methodische Mittel.

In der Phase 3 wird die Wirksamkeit der Strategien überprüft und im Alltag mit und ohne Jobcoach erprobt. Es werden Maßnahmen zur Stabilisierung des Lernerfolges gesetzt. Die Zielerreichung wird überprüft und mit allen beteiligten Personen evaluiert. Der Jobcoach zieht sich aus der Betreuung aktiv zurück und beendet seinen Einsatz.

 

Wer sind die Partnerinnen bzw. Partner?

Jobcoaching ist nur möglich, wenn die Dienstgeberin oder der Dienstgeber bereit ist, eine unternehmensfremde Person im Unternehmen wirken zu lassen. Somit sind Unternehmen ein wichtiger Partnerin bzw. Partner dieser Dienstleistung.

Das Jobcoaching wird meist von Integrationsdiensten bei bestehenden Ausbildungs- und Arbeitsverhältnissen vermittelt. Sie sind wichtige Partner um Jobcoachingeinsätze vorzubereiten und zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen.

 

Fallbeispiele

Fall A:

Frau Z. absolviert eine Teilqualifizierung als Köchin  in einem Landgasthaus. Sie ist im 1. Lehrjahr und war bis jetzt für die Salatzubereitung zuständig. Der Ausbilder möchte Frau Z. neue Aufgaben zuweisen, traut sich aber den Einschulungsaufwand nicht zu. Frau Z. zeigt unterschiedliche Arbeitsleistungen. An manchen Tagen arbeitet sie konzentriert und zielbewusst. An anderen Tagen ist sie zerstreut und in Selbstgesprächen vertieft. Mit Hilfe des Jobcoachings war es möglich die derzeitige Situation zu klären. Die Unkonzentriertheit hatte mit einer Stresssituation in der WG zu tun, in der Frau Z. wohnte. Diese konnte entschärft werden und ein regelmäßiger Tagesablauf nach der Arbeit führte zu einem erholsameren Schlaf und größerer Konzentriertheit am Arbeitsplatz. Frau Z. ist aufgefallen, dass ihr wenig in der Küche zugetraut wird, deshalb war sie auch mutlos und unmotiviert. Mit Gesprächen konnte dies geklärt werden und Frau Z. hatte wieder mehr Mut für neue Aufgaben. Frau Z. wurde den Nachspeisen zugeteilt. Nach einer Einschulung durch den Ausbilder erarbeitete der Jobcoach  eine Checkliste mit Fotos wie bei der Herstellung der Nachspeise Schritt für Schritt vorgegangen werden muss. Frau Z. konnte bereits nach kurzer Zeit die gestellten Aufgaben erledigen und benötigte die zusammengestellten Arbeitsmaterialien nur mehr zur Sicherheit.

Fall B:

Herr M. arbeitete als Kommissionierer in geringfügiger Tätigkeit in einem Lager. Sein Wunsch war es, mindestens 20h/Woche zu arbeiten. Er befürchtete aber, aufgrund seiner psychischen Erkrankung mit der Stundenerhöhung überfordert zu sein. Der Jobcoach erarbeitete gemeinsam mit Herrn M. die Abläufe, welche für die Ausweitung der Arbeitszeit notwendig sind. Ebenfalls wurde gemeinsam mit dem Unternehmen überlegt, wie die Arbeitszeiten verlängert werden können, sodass die Konzentration von Herrn M. aufrechterhalten werden kann. Da Herr M. jetzt mehr im Unternehmen war, nutzte er die Sozialräume für die Pausen. Herr M. war sehr unsicher im Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen. Der Jobcoach reflektierte gemeinsam mit Herr M. wie er den  sozialen Umgang mit Kolleginnen und Kollegen pflegen könnte ohne dass er zu viel über seinen seelischen Zustand preisgeben muss.