Seit drei Jahrzehnten unterstützt arbas Tirol den Übergang von der Schule in den Beruf. Ein bedeutender Meilenstein ist dabei das seit 2013 etablierte Jugendcoaching. „Einsparungen treffen oft genau jene Jugendlichen, die ohnehin besonders gefährdet sind – etwa durch schulische Probleme, soziale Belastungen oder schwierige Lebenssituationen“, betont Harald Schneider, Geschäftsführer von arbas Tirol. Präventive Angebote wie das Jugendcoaching leisten hier einen entscheidenden Beitrag: Sie erhöhen nachweislich Bildungsabschlüsse, stabilisieren Übergänge in Ausbildung und Beruf und fördern die nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt. Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich: Laut einer Studie der JKU Linz verursacht ein junger Mensch ohne abgeschlossene Ausbildung durchschnittlich rund 20.000 Euro an jährlichen Folgekosten. „Jeder Euro, der früh investiert wird, spart ein Vielfaches an späteren Kosten“, so Schneider.
Problemlagen oft unsichtbar
Ein zentrales Problem liegt in der mangelnden Sichtbarkeit von Unterstützungsbedarfen im Bildungssystem. In Österreich gibt es keine öffentlich zugängliche Datenlage über die aktuelle Situation der Schüler*innen an Österreichs Schulen, weshalb von stabilen Verhältnissen ausgegangen wird. Die fehlende Sichtbarkeit im System darf jedoch nicht mit Stabilität gleichgesetzt werden. „Selbst gravierende Schwierigkeiten werden statistisch oft nicht erfasst, solange eine Schulmeldung besteht“, erklärt Johann Hechenblaikner, Fachbereichsleitung Jugendcoaching bei arbas Tirol. Die Folge: Problemlagen kumulieren über Jahre und zeigen sich häufig erst spät – etwa in Form von Schullaufbahnverlusten. Bereits 2025 waren im Jugendcoaching rund 10 % der betreuten Jugendlichen davon betroffen.
Besonders deutlich werden die Herausforderungen in bestimmten Schultypen:
- An Mittelschulen waren laut dem aktuellen Bericht Bildung in Zahlen von der Statistik Austria 3,7 % der Schüler*innen im Schuljahr 2023/24 nicht aufstiegsberechtigt. Davon waren 22,3% nach dem Schuljahr 2024/25 ohne weitere schulische Ausbildung bzw. der Ausbildungsstatus unbekannt.
- An Polytechnischen Schulen waren 18,2% am Ende des Schuljahres 2023/24 nicht aufstiegsberechtigt. Davon waren 57,8% nach dem Schuljahr 2024/25 ohne weitere schulische Ausbildung bzw. der Ausbildungsstatus unbekannt.
Als Ursachen nennt arbas Tirol unter anderem Gewalt- und Mobbingerfahrung, Armut, Sprachbarrieren, instabile familiäre Verhältnisse und zunehmende psychische Belastungen.
Jugendcoaching wirkt
Genau hier setzt das Jugendcoaching an: niederschwellig, präventiv und direkt im Lebensumfeld der Jugendlichen. „Wir arbeiten dort, wo sich entscheidet, ob junge Menschen Perspektiven entwickeln oder den Anschluss verlieren“, erklärt Wolfgang Gärtner, Fachbereichsleiter Jugendcoaching.
Die Zahlen zeigen sowohl den Erfolg als auch die Grenzen des Angebots:
- Mehr als 1.500 Jugendliche wurden 2025 begleitet.
- Dennoch konnten nur rund 50 % der abbruchsgefährdeten Jugendlichen erreicht werden. Der Bedarf ist deutlich höher als die vorhandenen Ressourcen. Viele Jugendliche können trotz erkennbarem Unterstützungsbedarf derzeit nicht im notwendigen Ausmaß begleitet werden.
Statement Kinder- und Jugendanwalt Tirol Mag. Lukas Trentini: „Jugendcoaching leistet einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung der Kinderrechte: Es stärkt das Recht auf Bildung, Gesundheit, Nicht-Diskriminierung und Schutz vor Armut, indem junge Menschen frühzeitig begleitet und individuell unterstützt werden. Damit alle Jugendlichen, die Hilfe brauchen, diese auch erhalten, muss das Angebot weiter ausgebaut und nachhaltig abgesichert werden.“
Klare Forderung: Prävention sichern und ausbauen
Die Experten sind sich einig: Prävention braucht Zeit, stabile Strukturen und ausreichende Ressourcen. Nur so können Schulabbrüche verhindert, Übergänge gesichert und langfristige gesellschaftliche Kosten reduziert werden.
„Je früher wir ansetzen, desto wirksamer und kosteneffizienter ist Unterstützung“, lautet die zentrale Botschaft der Pressekonferenz. Investitionen in junge Menschen sind Investitionen in die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Tirol – und der Gesellschaft insgesamt.
arbas Tirol wird finanziert vom Sozialministeriumservice und Land Tirol.