Frauen mit Behinderung sind von intersektionaler Diskriminierung betroffen. Das Aufeinandertreffen mehrerer Diskriminierungsfaktoren bringt Lebensrealitäten mit sich, welche spezifische Aufmerksamkeit erfordern. Trotz zahlreicher Initiativen und politischer Ankündigungen bleiben echte strukturelle Verbesserungen weitgehend aus.
In Österreich leben laut Statistik Austria rund 760.000 Menschen mit registrierter Behinderung – das entspricht etwa 8,3 Prozent der Bevölkerung. Dennoch sind nur rund 15 Prozent der Menschen mit Behinderung erwerbstätig. Frauen mit Behinderungen sind dabei mehrfach benachteiligt: EU-Daten zeigen, dass ihre Beschäftigungsquote mit rund 52,9 Prozent deutlich unter jener von Männern mit Behinderungen (58,2 Prozent) liegt.
Auch Bildungsunterschiede wirken sich massiv aus: Frauen mit Behinderungen verfügen häufiger über niedrigere formale Abschlüsse und absolvieren seltener eine Lehre. Gleichzeitig sind Menschen mit Behinderungen insgesamt stärker von Arbeitslosigkeit betroffen und arbeiten überproportional oft in Teilzeit oder in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Rund 70 Prozent beziehen eine Pension und stehen dem regulären Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.
Kaum Fortschritte trotz Diskussionen
„Wir beobachten mit Sorge, dass sich die Situation für Frauen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren kaum verbessert hat“, erklärt Harald Schneider, Geschäftsführer von arbas Tirol. „Es braucht endlich konkrete und wirksame Instrumente, die echte Teilhabe ermöglichen – keine symbolischen Maßnahmen. Der Arbeitsmarkt ist komplex und vielfältig – umso mehr braucht es gezielte, individuelle Unterstützungsangebote für Frauen mit Behinderungen."
Individuelle Inklusion statt Einheitslösungen
Aus Sicht von arbas Tirol braucht es maßgeschneiderte Lösungen: flexible und inklusive Arbeitszeitmodelle, gezielte Qualifizierungsangebote, nachhaltige Lohnkostenzuschüsse sowie strukturelle Maßnahmen gegen Diskriminierung.
Frauen mit Behinderungen erleben häufig eine doppelte Benachteiligung – aufgrund ihres Geschlechts und aufgrund ihrer Behinderung. Eine zukunftsorientierte Arbeitsmarktpolitik muss diese intersektionale Realität anerkennen und gezielt adressieren. „Inklusion darf nicht vom Engagement einzelner Betriebe abhängen. Sie muss politisch gewollt, strukturell abgesichert und ausreichend finanziert sein“, so Schneider abschließend. „Gleichstellung endet nicht bei der Rampe – sie beginnt bei fairen Chancen am Arbeitsmarkt.“
30 Jahre Engagement für Teilhabe
Seit der Gründung begleitet arbas Tirol Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung und Beeinträchtigung auf ihrem Weg in Ausbildung und Beschäftigung. Mit Angeboten wie Jugendcoaching, Berufsausbildungsassistenz, Arbeitsassistenz, Jobcoaching, Betriebsservice, Technische Assistenz und mittendrin unterstützt die Organisation sowohl Arbeitssuchende als auch Unternehmen – individuell, praxisnah und nachhaltig. arbas Tirol wird finanziert vom Sozialministeriumservice und Land Tirol.