Anlässlich des diesjährigen Tags der Gesundheit machen arbas Tirol und das Zentrum Sexuelle Gesundheit Tirol gemeinsam auf eine besorgniserregende Realität aufmerksam: Noch immer kommt es in Österreich und Deutschland zu Sterilisationen von Frauen mit Behinderungen ohne deren persönliche und ausdrückliche Einwilligung.
Aktuelle Berichte und der Dokumentarfilm „Hauptsache, du kriegst kein Kind“ zeigen deutlich, dass es trotz klarer gesetzlicher Regelungen an Aufklärung, Sensibilisierung und konsequenter Umsetzung fehlt. Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Sterilisationen dürfen ausschließlich mit informierter und persönlicher Zustimmung der betroffenen Person erfolgen. Entscheidungen durch gesetzliche Vertretungen allein sind unzulässig – Ausnahmen bestehen nur in eng definierten medizinischen Notfällen und bedürfen einer gerichtlichen Genehmigung.
Dennoch berichten Betroffene und Fachstellen, dass Beratungsgespräche häufig nicht barrierefrei geführt werden und sich primär an Vertretungspersonen richten. Frauen mit Behinderungen werden dadurch in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt oder sogar übergangen. Auch ein Prüfbericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2023 kritisiert diese Praxis ausdrücklich und sieht darin eine Verletzung grundlegender Menschenrechte.
arbas Tirol und das Zentrum Sexuelle Gesundheit Tirol setzen sich daher gemeinsam für umfassende Aufklärung, barrierefreie Information und die Stärkung der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen ein.
„Sexuelle Gesundheit setzt echte Selbstbestimmung voraus. Dafür braucht es niederschwellige Beratung, Zeit und den klaren Fokus auf die jeweilige Person. Selbstbestimmung soll kein Lippenbekenntnis, sondern gelebte Realität sein", appelliert Thomas Lechleitner der Geschäftsführer vom Zentrum Sexuelle Gesundheit.
Das Zentrum Sexuelle Gesundheit Tirol bietet niederschwellige, anonyme Beratung, Testung und Bildungsangebote rund um sexuelle Gesundheit und setzt sich für Aufklärung, Prävention sowie ein selbstbestimmtes und diskriminierungsfreies Leben ein.
„Selbstbestimmung ist kein Privileg, sondern ein Menschenrecht. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, sicherzustellen, dass Frauen mit Behinderungen in Fragen ihrer sexuellen und reproduktiven Gesundheit gehört, verstanden und ernst genommen werden – und zwar ohne Einschränkung", so Harald Schneider der Geschäftsführer von arbas Tirol.
arbas Tirol unterstützt Menschen mit Behinderungen dabei, ein selbstbestimmtes Leben in Arbeit und Gesellschaft zu führen. Ziel ist es, individuelle Perspektiven zu entwickeln und Barrieren abzubauen. arbas Tirol wird finanziert vom Sozialministeriumservice und Land Tirol.
Beide Organisationen fordern:
- barrierefreie und verständliche medizinische Aufklärung
- verpflichtende Sensibilisierung für Fachpersonal im Gesundheitswesen
- konsequente Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen
- Stärkung von Unterstützungsangeboten, die Selbstbestimmung ermöglichen
Denn: Gesundheit bedeutet mehr als medizinische Versorgung – sie bedeutet auch das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper.